Ökumenische Sommerkirche am Stiftshof in Leeden

Ökumenische Sommerkirche am Stiftshof in Leeden

Die Hitze der vergangenen Tage war noch zu spüren, als wir vom zum Glück schattigen Parkplatz auf dem Weg zur Remise am Stiftshof in Leeden waren. Die Plätze im Schatten der Remise waren schon alle besetzt, einige wenige in der Sonne, waren noch zu haben. Aber der Stiftshof war groß genug für weitere Sitzplätze und so entstand unter einem Baum schnell ein Seitenschiff mit Platz für etwa 20 Gottesdienstbesucher. Sommerkirche eben!

Die Musikgruppe „Stückwerk & Friends“ stimmte die versammelte Gemeinde instrumental auf das Thema des Gottesdienstes ein „Fest soll mein Taufbund immer stehen, ich will zum Herrn gehören“ und Pastorin Ulrike Wortmann-Rotthoff und Pfarrer Günter Witthake begannen die Feier zum Thema Taufe. „Ich singe das Lied aus dem Gotteslob besonders gerne, geht es doch um die Taufe, die wir als evangelische und katholische Christen gleichermaßen empfangen haben“, stellte die Pastorin fest. Heutzutage müsse niemand mehr umgetauft werden, wenn er den katholischen Glauben annehmen oder umgekehrt evangelischer Christ sein möchte. Und nein, sie sei nicht etwa „katholsk worn“, wie noch Marthas Urgroßmutter gefragt hätte, nein sie bliebe fest ihre evangelische Pastörske.

Herrlich, dachte ich, so schön kann Ökumene sein! Wir feiern gerne gemeinsam unseren Glauben, wir begegnen uns auf den Straßen, in den Geschäften, am Arbeitsplatz und sind Nachbarn, und doch gehen wir getrennte Wege. Wie lange feiern wir noch ökumenisch? Pfarrer Witthake äußerte die Hoffnung, dass sich die beiden christlichen Kirchen eines Tages vereinigen werden.

In ihrer Predigt ging Pfarrerin Wortmann-Rotthoff auf eine Kernbotschaft aus dem Evangelium ein und war sogleich bei einem gelben Zettel, der am Spiegel im Bad der Familie des Täuflings klebt und fragte Emil, was denn auf diesem Zettel steht, „vertragen“ antwortete der. Richtig, darum geht es im Leben! Vertragt euch, nicht nur in der Familie, unter Geschwistern oder den Eltern. Vertragt euch, überall im Dorf im Land und der ganzen Welt. Wobei, streiten darf man und das kann auch ganz heilsam sein. „Echt?“, hörte man Emil spontan fragen und löste ein amüsiertes Raunen in den Bänken aus. „Ja, echt!, aber vertragen ist das wichtigste“ antwortete sie.

 

Ein Gottesdienst „in Wort und Tat“, umgesetzt mit der Taufe eines kleinen Mädchens, so hieß es in der Ankündigung. „Getauft wird in Leeden mit Quellwasser“, so die Pfarrerin und verwies auf die Zisterzienser, die einst in Leeden ansässig waren. Die drei Geschwister des Täuflings füllten das in drei Flaschen abgefüllte Quellwasser in das Taufbecken, während die Pfarrerin es mit einem liturgischen Text weihte und danach die Taufe vollzog. Die Taufkerze des Täuflings wurde entzündet und zu denen der Geschwister gestellt. Nun sind es vier, oder sechs in der Familie. Ich weiß es nicht genau.

 

„Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn“ so sang die Gemeinde kräftig zum Schluss und weiter „Sorgen, Freuden und auch Kräfte teilen und auf einem Wege gehn“, während der Duft von leckeren Grillwürstchen über den Stiftshof zog.

 

Mit einer fröhlichen Stimmung entließen die beiden Geistlichen die Gemeinde, dankten den Organisatoren und der Musikgruppe für die Gestaltung des Gottesdienstes und forderten zum gemeinsamen Weg an das vorbereitete Buffet auf. Das letzte Wort von Pfarrer Witthake war nicht wie sonst üblich Amen, sondern Guten Appetit. Sommerkirche eben.

 

Heino Paulisch